Audit. Tax. Business. Law – Tolle Stimmung beim EBS Netzwerkevent 2019 im Hamburger Hafen

Quo vadis UK? – Das war das Thema des diesjährigen Netzwerkevents der EBS. In der angenehmen Atmosphäre des Hamburger Hafens gab es einen intensiven Austausch über die Auswirkungen des Brexits auf den europäischen Markt. Als Speaker konnten wir den englischen Steuerberater Alexander Altmann gewinnen, der von unserem Chartered Accountant Felix Kaufmann zum Brexit aus britischer Perspektive befragt wurde. Mit Blick über den Hamburger Hafen und auf die Elphi genossen die Gäste im Anschluss die einzigartige Stimmung und nutzten die Möglichkeiten der Kontaktpflege im EBS-Netzwerk.


Wir bedanken uns bei den zahlreich erschienenen Partnern und Förderern der EBS, der BCCG für ihre freundliche Unterstützung sowie bei unseren beiden Panel-Experten Alexander Altmann und Felix Kaufmann.

Key Audit Matters – Mehr Information im Wirtschaftsprüfer-Testat?

Unter „Key Audit Matters“ (KAM) versteht man besonders wichtige Prüfungssachverhalte, die den Bestätigungsvermerk der Unternehmen von öffentlichem Interesse („PIEs“) erweitern. Diese Angaben sollen zu einem stärker individualisierten Bestätigungsvermerk im Vergleich zum bisherigen ,,Formeltestat“ führen. Entsprechend der Zielsetzung der neu eingeführten Regelungen zur Angabe von KAM erhalten die Abschlussadressaten dadurch einen detaillierteren Einblick in komplexe und ermessensbehaftete Prüfungssachverhalte und die in diesem Zusammenhang vom Wirtschaftsprüfer durchgeführten Prüfungshandlungen bzw. Prüfungsfeststellungen.

International wird die Anwendung der Berichterstattung der KAM durch die International Standards of Auditing 701 (ISA 701) vorgeben, in Deutschland wird ISA 701 durch den IDW PS 401 umgesetzt.
KAM stellen keinen Ersatz für pflichtgemäße Anhangsangaben bzw. für Einschränkungen oder Ergänzungen des Prüfungsurteils des Wirtschaftsprüfers dar. Zwar fließen die KAM in das Prüfungsurteil ein, entscheidend bleibt das Prüfungsurteil des Wirtschaftsprüfers zum Jahresabschluss insgesamt.

KAM müssen bei jeder Abschlussprüfung für das jeweilige Mandat von Neuem identifiziert werden. Zur Identifikation geben ISA und IDW ein dreistufiges Vorgehen vor:

  •  Sachverhalte, die mit dem Aufsichtsorgan erörtert werden
  •  Bestimmung der Sachverhalte, die während der Prüfung besondere Befassung erfordern
  •  Bestimmung der bedeutsamsten Sachverhalte (vgl. ISA 701.A.16 ff.; A.28 ff. bzw.
      IDW PS 401, Tz. A21 f. und A28 f.)

Die Berichterstattung hat in einem entsprechend überschriebenen gesonderten Abschnitt des Bestätigungsvermerks zu erfolgen. Jeder einzelne Sachverhalt besitzt eine eigene Unterüberschrift. Für jeden Prüfungssachverhalt ist auf etwaige zugehörige Angaben im Abschluss hinzuweisen. Der Wirtschaftsprüfer muss die Auswahl eines Prüfungssachverhalts als KAM begründen und dabei auf die Behandlung des Sachverhalts bei der Prüfung eingehen (vgl. ISA 701.13 bzw. IDW PS 401, Tz. 16). Ergeben sich keine mitteilungspflichtigen Sachverhalte, ist eine entsprechende Negativerklärung in den Bestätigungsvermerk aufzunehmen.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Pflicht zur Darstellung besonders wichtiger Prüfungssachverhalte im Testat zur Jahresabschlussprüfung des Wirtschaftsprüfers zukünftig auch auf die Prüfung kleinerer und mittlerer Unternehmen auswirken wird. Schließlich besteht auch dort vor dem Hintergrund des Gläubigerschutzes und des Informationsbedürfnisses von Stakeholdern ein nachvollziehbares Interesse an derartigen Angaben zur Tätigkeit des verantwortlichen Abschlussprüfers.

Wenn Sie noch Fragen rund um das Thema ,,besonders wichtige Prüfungssachverhalte“ haben, schreiben Sie uns gerne eine E-Mail oder kontaktieren Sie uns telefonisch!

Prüfung eines Compliance Management Systems nach IDW PS 980

Die Komplexität von Geschäftsvorfällen und die sich, durch das Zeitalter der Digitalisierung, häufig ändernde Rechtslage, sorgt für den Bedarf eines unternehmensinternen Kontrollsystems zur Einhaltung der allgemeinen Gesetzeslage, genannt Compliance Management System (CMS).

Unternehmen haben die Möglichkeit, ein solches System durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer freiwillig prüfen zu lassen. Grundlage hierfür bildet der Prüfungsstandard IDW PS 980.

Um ein CMS aufzustellen, muss man sieben Grundelemente beachten, die der PS aufzählt. Die Säulen sind: Compliance –

  1. Kultur
  2. Ziele
  3. Organisation
  4. Risiken
  5. Programm
  6. Kommunikation
  7. Überwachung und Verbesserung

Die genaue Aufstellung des CMS sollte sich dabei lediglich an diesen sieben Säulen orientieren und kann je nach Unternehmen bzw. dessen Branche individuell aufgestellt werden.

Der Prüfer hat nach IDW PS 980 bei der Beurteilung eines CMS drei Stufen zu prüfen:

  1. Konzeptionsprüfung des CMS
  2. Prüfung der Angemessenheit des CMS
  3. Prüfung der Wirksamkeit des CMS

Erst, wenn die dritte Stufe als bestätigt angesehen wird, darf der Abschlussprüfer ein angemessenes, funktionsfähiges und wirksames Compliance Management System bescheinigen.

Da diese drei Stufen auch den Prozess der Erstellung eines CMS widerspiegeln, hat sich in der Praxis eine Beratertätigkeit des Wirtschaftsprüfers bereits bei der Konzeptionierung des CMS bewährt.

Besonderheiten der Abschlussprüfung bei Start-ups

Start-ups sind derzeit omnipräsent und bereichern die Wirtschaftswelt in großer Zahl und vielfältigen Formen. Durch die große Medienaufmerksamkeit von Start-ups sind in der Öffentlichkeit insbesondere positive Entwicklungen bekannt und üben einen besonderen Reiz für Investoren, Gründer und weitere wirtschaftliche Akteure aus. Aus Sicht des Wirtschaftsprüfers bringt die Prüfung solcher Unternehmen oftmals große Herausforderungen mit sich, sowohl im Hinblick auf das Verständnis des jeweiligen Geschäftsmodells, als auch in Bezug auf besondere Prüfungssachverhalte.

Start-ups sind in der Initialphase aufgrund ihrer Größenmerkmale nach den Vorschriften des HGB regelmäßig nicht prüfungspflichtig. Allerdings sind viele dieser Unternehmen durch die unternehmenseigene Satzung zur Beauftragung eines Wirtschaftsprüfers verpflichtet, da sich private oder institutionelle Kapitalgeber durch das Urteil eines externen Sachverständigen eine zusätzliche Absicherung in Bezug auf die Ordnungsmäßigkeit des Jahresabschlusses einholen möchten.

Hieraus ergibt sich für den Abschlussprüfer unmittelbar die Notwendigkeit, mit dem Mandanten das benötigte Maß an Prüfungssicherheit („Assurance Level“) zu klären. Hierbei kommt eine freiwillige Jahresabschlussprüfung nach den Vorschriften der §§ 316ff. HGB analog genauso in Betracht wir eine prüferische Durchsicht (IDW PS 900) des Jahresabschlusses oder eine (Sonder-)Prüfung der Finanzaufstellung oder deren Bestandteile nach IDW PS 490. Die Entscheidung, welches Maß an Prüfungssicherheit benötigt wird, ist von der Geschäftsführung (GmbH) bzw. vom Vorstand (AG) in eigener Verantwortung zu treffen, der Wirtschaftsprüfer kann lediglich die verschiedenen Varianten aufzeigen und die Unterschiede erklären.

Bei der eigentlichen Prüfungsdurchführung stellen sich für den Wirtschaftsprüfer regelmäßig besondere Herausforderungen in Bezug auf die Prüfung der Umsatzerlöse („Revenue Recognition“) und bei der Prüfung der sogenannten „Going-Concern-Prämisse“. Durch den starken Grad der Digitalisierung bzw. der IT-basierten Geschäftsmodelle von Start-ups müssen Wirtschaftsprüfer insbesondere zum Verständnis des Geschäftsmodells und der damit zusammenhängenden Umsatzerlösrealisierung in den Büchern der Unternehmen eine starke IT-Affinität mitbringen. Die Going-Concern-Prämisse, d.h. die Annahme der Unternehmensfortführung, wirkt sich fundamental auf die Bilanzierung dieser Unternehmen aus; daher ist der Wirtschaftsprüfer verpflichtet, diese Going-Concern-Annahme anhand einer kritischen Überprüfung der Unternehmensplanung besonders zu prüfen.

Trotz aller Eventualitäten bietet die Abschlussprüfung eines Start-ups die Chance für einen Wirtschaftsprüfer, in eine neue Welt der kreativen Köpfe einzutauchen, neue Geschäftsmodell kennenzulernen und junge Unternehmen durch fachkundige Begleitung in Bezug auf deren Rechnungswesen und Finanzzahlen zu begleiten.

Wir unterstützen Sie mit unserem jungen und IT-begeisterten Team gerne bei Ihren Vorhaben!

Deckelung von Beratungsleistungen durch den Abschlussprüfer („Honorar-Cap“)

Im Zuge der EU-Abschlussprüferreform 2014 wurde vor dem Hintergrund der Wahrung der Unabhängigkeit des Abschlussprüfers das sogenannte „Honorar-Cap“ (Deckelung von entgeltlichen Beratungsleistungen durch den Abschlussprüfer) eingeführt. Hiervon betroffen sind zunächst nur mehrjährig bestellte Abschlussprüfer von börsennotierten Unternehmen (sog. Public Interest Entities). Die in einer EU-Verordnung umgesetzte Regelung greift in Deutschland ab dem Geschäftsjahr 2020.

Entsprechend der Umsetzung in deutsches Recht werden die Gesamthonorare für erlaubte Nichtprüfungsleistungen – worunter im Allgemeinen Beratungsleistungen des Abschlussprüfers zu verstehen sind (z.B. auch für Steuerberatungsleistungen, Bewertungsleistungen) – auf maximal 70% des Durchschnitts der für die letzten drei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahre an die verantwortliche Prüfungsgesellschaft durchschnittlich gezahlten Abschlussprüfungshonorare begrenzt. Das durchschnittlich gezahlte Prüfungshonorar umfasst sämtliche Honorare für die Abschlussprüfung des geprüften Unternehmens und ggf. seines Mutterunternehmens, der von ihm beherrschten Unternehmens und der konsolidierten Abschlüsse der betreffenden Unternehmensgruppe.

Im Rahmen einer laufenden Untersuchung, an der wir unterstützend mitgewirkt haben, konnte bereits festgestellt werden, dass die Einführung des Honorar-Caps zum jetzigen Zeitpunkt eine große Relevanz für die im DAX, MDAX, SDAX und TecDAX gelisteten Unternehmen haben wird und teilweise zu einer deutlichen Reduktion des heutigen Niveaus der durch den Abschlussprüfer zusätzlich erbrachten Beratungsleistungen führen wird. Über das endgültige Ergebnis der Untersuchung werden wir Sie zeitnahe in einem neuen Blogbeitrag unterrichten.

Was bedeutet diese Erkenntnis für die vom Honorar-Cap betroffenen Unternehmen und deren Abschlussprüfer? Große Prüfungsunternehmen aber auch Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen müssen zukünftig ganz genau das jährliche Beratungsvolumen bei Unternehmen überwachen, die unter diese Deckelungsregelung fallen. Diese Unternehmen werden also auch verstärkt sonstige Beratungsleistungen bei anderen Wirtschaftsprüfern nachfragen müssen, da ihr Prüfungsunternehmen aufgrund des Honorar-Cap von der Leistungserbringung ausgeschlossen ist.

Spezialisierte Wirtschaftsprüfungsunternehmen aus dem Mittelstand können hierbei durchaus interessante Alternativen darstellen, da es um die Erbringung eingrenzbarer Leistungen in der prüfungsnahen Beratung gehen wird. Sprechen Sie uns an!