Deckelung von Beratungsleistungen durch den Abschlussprüfer („Honorar-Cap“)

Im Zuge der EU-Abschlussprüferreform 2014 wurde vor dem Hintergrund der Wahrung der Unabhängigkeit des Abschlussprüfers das sogenannte „Honorar-Cap“ (Deckelung von entgeltlichen Beratungsleistungen durch den Abschlussprüfer) eingeführt. Hiervon betroffen sind zunächst nur mehrjährig bestellte Abschlussprüfer von börsennotierten Unternehmen (sog. Public Interest Entities). Die in einer EU-Verordnung umgesetzte Regelung greift in Deutschland ab dem Geschäftsjahr 2020.

Entsprechend der Umsetzung in deutsches Recht werden die Gesamthonorare für erlaubte Nichtprüfungsleistungen – worunter im Allgemeinen Beratungsleistungen des Abschlussprüfers zu verstehen sind (z.B. auch für Steuerberatungsleistungen, Bewertungsleistungen) – auf maximal 70% des Durchschnitts der für die letzten drei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahre an die verantwortliche Prüfungsgesellschaft durchschnittlich gezahlten Abschlussprüfungshonorare begrenzt. Das durchschnittlich gezahlte Prüfungshonorar umfasst sämtliche Honorare für die Abschlussprüfung des geprüften Unternehmens und ggf. seines Mutterunternehmens, der von ihm beherrschten Unternehmens und der konsolidierten Abschlüsse der betreffenden Unternehmensgruppe.

Im Rahmen einer laufenden Untersuchung, an der wir unterstützend mitgewirkt haben, konnte bereits festgestellt werden, dass die Einführung des Honorar-Caps zum jetzigen Zeitpunkt eine große Relevanz für die im DAX, MDAX, SDAX und TecDAX gelisteten Unternehmen haben wird und teilweise zu einer deutlichen Reduktion des heutigen Niveaus der durch den Abschlussprüfer zusätzlich erbrachten Beratungsleistungen führen wird. Über das endgültige Ergebnis der Untersuchung werden wir Sie zeitnahe in einem neuen Blogbeitrag unterrichten.

Was bedeutet diese Erkenntnis für die vom Honorar-Cap betroffenen Unternehmen und deren Abschlussprüfer? Große Prüfungsunternehmen aber auch Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen müssen zukünftig ganz genau das jährliche Beratungsvolumen bei Unternehmen überwachen, die unter diese Deckelungsregelung fallen. Diese Unternehmen werden also auch verstärkt sonstige Beratungsleistungen bei anderen Wirtschaftsprüfern nachfragen müssen, da ihr Prüfungsunternehmen aufgrund des Honorar-Cap von der Leistungserbringung ausgeschlossen ist.

Spezialisierte Wirtschaftsprüfungsunternehmen aus dem Mittelstand können hierbei durchaus interessante Alternativen darstellen, da es um die Erbringung eingrenzbarer Leistungen in der prüfungsnahen Beratung gehen wird. Sprechen Sie uns an!

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