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12. Mai 2021

Die Prüfung ausgelagerter Dienstleistungen in Zeiten fortschreitender Digitalisierung des Rechnungswesens

 

Die Auslagerung von Dienstleistungen im Bereich des Rechnungswesens wird wesentlich durch die zunehmende Vernetzung der Wirtschaftswelt und die voranschreitende Digitalisierung getrieben. Aber auch Faktoren wie Kosteneinsparungspotentiale oder Komplexitätsreduzierungen sind hierbei nicht zu vernachlässigen.

In der Jahresabschlussprüfung tangiert eine Auslagerung von rechnungslegungsrelevanten Prozessen vor allem die Prüfung des internen Kontrollsystems (IKS). Durch das Outsourcing von Dienstleistungen verlieren die auslagernden Unternehmen den direkten Einfluss auf die jeweiligen Systeme und Prozesse. Beispielsweise geben Unternehmen bei der Auslagerung von Dienstleistungen im Bereich der IT-Infrastruktur die Sicherstellung des ordnungsgemäßen IT-Betriebes aus der Hand. Das wirkt sich indirekt auch auf die im Rechnungswesen benötigte Datensicherheit und den Betrieb der relevanten IT-Systeme aus. Vor diesem Hintergrund muss der Wirtschaftsprüfer bei der Beurteilung des Kontrollrisikos innerhalb der Prüfung des rechnungslegungsbezogenen IKS seinen Fokus auf das jeweilige Dienstleistungsunternehmen ausweiten. Hierfür gibt der IDW PS 331 dem Wirtschaftsprüfer Handlungsempfehlungen und Prüfungshinweise. Eine wichtige Rolle spielen dabei Bescheinigungen anderer Wirtschaftsprüfer, die das Dienstleistungsunternehmen und dessen internes Kontrollsystem prüfen. Entsprechend der Vorgaben des IDW PS 951 bzw. ISAE 3402 berichtet der Wirtschaftsprüfer des Dienstleistungsunternehmens in seiner Bescheinigung über das interne Kontrollsystem des Dienstleisters (Prozessbeschreibung) und die vorgefundenen Kontrollen. Für die Verwertung dieser Ergebnisse aus Sicht des Abschlussprüfers des auslagernden Unternehmens ist es jedoch erforderlich, dass der Prüfer des Dienstleistungsunternehmens in seiner Bescheinigung auch die Wirksamkeit der Kontrollen und nicht nur das grundsätzliche Vorhandensein und Design der Kontrollen bestätigt. Liegt eine solche im WP-Jargon als „Typ-2-Bescheinigung“ bezeichnete Bestätigung nicht vor, muss der Abschlussprüfer des auslagernden Unternehmens die Wirksamkeit der Kontrollen beim Dienstleistungsunternehmen durch eigene Prüfungshandlungen sicherstellen. Vor diesem Hintergrund sollte bei Überlegungen zur Auslagerung von (IT-bezogenen) Dienstleistungsprozessen seitens des auslagernden Unternehmens auch immer bedacht werden, wie die entsprechende Prüfungssicherheit über die Wirksamkeit der internen Kontrollen beim Dienstleistungsunternehmen (vorab) vertraglich geregelt bzw. verhandelt werden kann und welche Nachweise der Dienstleister diesbezüglich erbringen kann.

Für die Arbeit des Abschlussprüfers bedeuten Auslagerungen und damit der erweiterte Fokus auf das Dienstleistungsunternehmen in erster Linie eine erhöhte Komplexität der Prüfung. Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund, dass zunehmend (Teil-)Prozesse im Bereich IT von Auslagerungen betroffen sind (z.B. Nutzung von Clouddiensten) und dies auch neue fachliche Anforderungen an den Prüfer stellt. Dies wird sich in naher Zukunft noch weiter verstärken und den Berufsstand insgesamt vor die Aufgabe stellen, diesen Herausforderungen durch gezielte Mitarbeiterrekrutierung (z.B. Öffnung des Berufsstandes für Absolventen der sogenannten MINT-Fächer: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) und durch gezielten Aufbau entsprechender IT-Kompetenzen ausreichend zu begegnen.